Help Center
< All Topics

Freies Training

Als zweite M√∂glichkeit k√∂nnen Sie auch ein freies Training durchf√ľhren. Dies unterscheidet sich von den Prozeduren dahingehend das es etwas komplexer ist. Wir geben Ihnen im Folgenden ein paar Beispiele wie ein EMG Biofeedback Training mit dem eSense Muscle bei unterschiedlichen Anwendungen aussehen k√∂nnte.

Bitte betrachten Sie dies nur als eine grobe Orientierung. Es gibt eine Vielzahl von Möglichkeiten, dies ist nur ein kurzer Überblick. Es gibt eine Menge Literatur zum Thema EMG Biofeedback, welche weitere Hilfestellungen zum Vorgehen gibt.

Vorbereitung und Start

  1. Befolgen Sie die ersten Schritte der Vorbereitung vom vorherigen Kapitel und w√§hlen Sie ein freies Training im Auswahlbildschirm nach Start der App. Wechseln Sie dann in die Einstellungen und verbinden Sie dort den eSense Muscle. W√§hlen Sie den gew√ľnschten Kanal und Filter aus. Gehen Sie zur√ľck in das freie Training.
  2. Starten Sie nun eine freie Messung (einfach im Hauptbildschirm ‚ÄěStart‚Äú dr√ľcken) und werfen Sie einen ersten Blick auf die Messwerte Ihres Muskelsignals. Lassen Sie Ihre Muskeln locker und versuchen Sie diese soweit m√∂glich anzuspannen. Sie sollten eine passende Reaktion in der Kurve sehen.
  3. Um eine optimale Vergleichbarkeit von Sitzungen zu erhalten, k√∂nnen Sie die Zeit f√ľr eine Messung in den Einstellungen der eSense App festlegen und auf einen Wert begrenzen, z.B. 10 Minuten. Die Messung stoppt dann nach Ablauf dieser Zeit automatisch. In der Standardeinstellung der eSense App betr√§gt die Messdauer f√ľr den eSense Muscle maximal 30 Minuten. Wenn Sie l√§nger trainieren m√∂chten, m√ľssen Sie das Training in zwei oder mehr Aufzeichnungen splitten. Es empfiehlt sich, nach ersten Experimenten eine Zeit festzulegen und in den Einstellungen einzustellen, welche der gew√ľnschten, regelm√§√üigen Trainingsdauer entspricht. So erhalten Sie sp√§ter eine optimale Auswertung und Vergleichbarkeit Ihrer Trainingssitzungen.
  4. Ebenfalls wesentlich f√ľr den Vergleich von Messungen untereinander ist die Wahl der Kan√§le und Filtereinstellungen. Naheliegenderweise k√∂nnen Sie nur Messungen mit gleicher Kanalanzahl und gleichen Filtereinstellungen miteinander vergleichen. Testen Sie die verf√ľgbaren Filtereinstellungen einmal durch und suchen Sie den Filter, der das Muskelsignal am besten darstellt. W√§hlen Sie zuerst bevorzugt den schmalsten Filter und wechseln nur in einen breiteren Filter, wenn Sie den Eindruck haben, dass das Signal nur teilweise und unzureichend dargestellt wird. Ein Experimentieren mit den Filtern ist sinnvoll und hilfreich, um eine Einsch√§tzung f√ľr das Muskelsignal zu bekommen.
  5. Eine weitere Bedeutung haben die Filter, wenn es um die Beurteilung des Muskelsignal geht bzgl. der sogenannten ‚Äěslow twich‚Äú und ‚Äěfast twich‚Äú Muskelfasern. W√§hrend die schnellen Fasern f√ľr starke und schnelle Bewegungen zust√§ndig sind und ihre Aktivit√§t haupts√§chlich zwischen 100-200 Hz liegt, sorgen die langsamen Fasern f√ľr eine Aufrechterhaltung einer muskul√§ren Grundspannung. Die langsamen Fasern sind zudem ausdauernder und reagieren auf k√∂rperliche und emotionale Belastung. Ihr Frequenzmaximum liegt unter 80 Hz und l√§sst sich besser mit dem Filter von 20-300 Hz erfassen. Mehr dazu in den folgenden Abschnitten.


√úbliche Anwendungen, Beispiel Muskelaufbautraining

  1. Bei diesem Beispiel besteht das Ziel in der sukzessiven Steigerung der elektrischen Muskelaktivit√§t und damit ihrer Muskelkontraktionskraft. Dabei spielt sowohl die maximal erreichbare H√∂he der Amplitude (die St√§rke der Anspannung) eine Rolle, als auch die Dauer √ľber welche diese aufrecht erhalten werden kann.
  2. Eine Kraftminderung oder eine Störung der Feinmotorik kann durch ein Biofeedback EMG Muskelaufbautraining positiv beeinflusst werden. Die Besonderheit liegt hier in der feinen Auflösung der Messung, d.h. auch bereits minimal Muskelaktivität kann gemessen und sichtbar gemacht werden. Dies kann unter Umständen eine Anspannung sein, die nur in einem leichten Anstieg der Messkurve sichtbar ist, nicht in einer sichtbaren Bewegung des gemessenen Muskels.
  3. Durch gezieltes Training kann die Aktivit√§t der Muskeln St√ľck f√ľr St√ľck gesteigert werden. Man geht davon aus, dass das Biofeedback Training die Bahnung neurophysiologischer Reorganisationsprozesse f√∂rdert.
  4. Häufig wird in diesem Beispiel mit 2-Kanal Ableitungen gearbeitet. Wenn zum Beispiel der linke Arm schwächer ist als der rechte Arm, kann der 1. Kanal auf dem linken Arm und der 2. Kanal auf dem rechten Arm platziert werden, auf dem jeweils gleichen Muskel. Dadurch lassen sich die Messwerte beider Arme miteinander vergleichen und ein Trainingsziel kann es sein, den linken Arm auf die gleiche Stärke des rechten Armes zu trainieren. Der Seitenvergleich ist in vielen Situationen hilfreich. Es kann auch der eine Kanal gesteigert werden, während der andere Kanal ruhig bleiben soll, d.h. ein Muskel soll angespannte werden, während der andere Muskel gezielt NICHT angespannt werden soll.
  5. Das Training vom Aufbau und der Kr√§ftigung von Muskulatur kann auch mit Hilfsmitteln wie Sportger√§ten, Hanteln, etc. kombiniert werden, um einen zus√§tzlichen Trainingseffekt zu erzielen. Die Biofeedback Messung hilft dabei die Fortschritte zu vermessen und √ľbersichtlich im Vergleich der Messungen darzustellen. Achten Sie wie immer auf die exakte, wiederholt gleiche Positionierung der Elektroden, der Filter und der Trainingsdauer.

√úbliche Anwendungen, Beispiel Muskelentspannung

  1. Im Anwendungsfeld der Muskelrelaxation / Muskelentspannung gibt es verschiedene Ebenen der Anwendung:
    1. Zur Unterst√ľtzung der Psychoedukation / Eigenwahrnehmung, z.B. um zu zeigen, wie Muskeln auf Reize wie negative Gedanken, bestimmte K√∂rperhaltungen und bestimmte Alltagssituationen reagieren. Auch um eine Kontroll√ľberzeugung zu erlangen, dass eine Kontrolle √ľber die Muskulatur ausge√ľbt und beobachtet werden kann.
    1. Als generelles Entspannungstraining in Verbindung mit der progressiven Muskelrelaxation, also dem wiederholten An- und Entspannen von Muskeln und der Beobachtung mittels EMG Messung. Der Mehrwert eines EMG Biofeedback liegt hier klar in der Steigerung der Effizient des Trainings und der √úberpr√ľfung des Erfolgs durch die Messwerte.
    1. Als gezielt eingesetzte Technik um Fehlhaltungen, Dysbalancen und erhöhte Muskelspannung in Reaktion auf Stress zu reduzieren.
  1. Platzieren Sie die Elektroden entweder direkt auf den Muskeln, dessen Anspannung Sie reduzieren wollen oder dort, wo Sie eine erhöhte Anspannung vermuten. Bei Schonhaltungen kann eine erhöhte Muskelspannung z.B. an einer ganz anderen Stelle auftreten, weil dort Muskeln angespannt werden, um andere Muskeln zu schonen.
  2. Starten Sie die Messung und beobachten Sie eine Weile Ihre Messwerte. Ihre Muskelaktivität sehen Sie in Form einer Kurve oder Balken. Im Hauptbildschirm der App im Hochformat sehen Sie die Amplitude in der Form eines Balkens. Dies ist die direkteste Form der Darstellung. Im Querformat sehen Sie die Muskelspannung als Kurve und Zahlenwerte.

Zwei Abbildungen vom Balken der Muskelspannung im Hochformat und der Muskelsignalkurve im Querformat (rot markiert)

  1. Als beispielhafte Übung können Sie nun einmal versuchen ihre Muskeln anzuspannen und dann so gut es geht wieder locker zu lassen. Dies wiederholen Sie einige Male. Beobachten Sie dabei die Messwerte und ob es Ihnen gelingt den Messwert noch weiter abzusenken als zu Beginn der Messung. Sie können auch durch eine weitere Person ihren verspannten Muskel massieren lassen und die Effekte sehen, welche eine Lockerung durch Massage auf die Muskeln hat. Auch dies ist oft bei verspannten Muskeln deutlich sichtbar.
  2. Versuchen Sie wie verschiedene Körperhaltungen (Sitzen, Stehen, Liegen) sich auf die Muskulatur auswirken. Zum Beispiel kann das Sitzen und Arbeiten an einem Schreibtisch häufig mit einer schlechten Haltung einher gehen, die negative Auswirkungen auf die Muskulatur hat. Beachten Sie, dass erhöhte Muskelspannung sich nicht immer zeigt, wenn Sie in bequemer Position mit dem eSense Muscle messen, sondern manchmal erst unter bestimmten, problematischen Bedingungen, die Sie dann auch in die Messung integrieren können.
  3. √úben Sie An- und Entspannung unter Einbeziehung der Kontraktionshilfe. Die Kontraktionshilfe k√∂nnen Sie in den Einstellungen der App aktivieren, sie ist standardm√§√üig nicht aktiv. Aktivieren Sie diese und beginnen Sie das Training mit einer √ľblichen Frequenz. Passen Sie die Frequenz nach Ihren W√ľnschen an und wechseln Sie im freien Training ins Querformat, dort k√∂nnen Sie durch ‚Äěwischen‚Äú die Ansicht wechseln und zum Oszilloskop + Kontraktionshilfe gelangen. √úben sie √ľber ein paar Minuten die An- und Entspannungsphasen und beobachten Sie dabei die Kurve und Werte.

5 Sekunden zum Anspannen, 2,5s halten und 5 Sekunden zum Entspannen, 2,5s lockerlassen (= 4 Kontraktionen pro Minute)

  1. Trainieren Sie unter Zuhilfenahme der verschiedenen Biofeedback-Funktionen, die die App Ihnen bietet. Im Querformat haben Sie die Kontraktionshilfe als Linie und Kugel. Sie haben ein frei wählbares Video, welches auf vielfältige Weise sich verändert, passend zur Muskelspannung. Nutzen Sie Musik und Töne, welche Sie in den Einstellungen aktivieren können. Die einzelnen Feedbackfunktionen sind alle im entsprechenden Kapitel der App noch genauer beschrieben.
  2. Nutzen Sie die mitgelieferten Prozeduren! Damit k√∂nnen Sie die verschiedenen Funktionen der App noch besser kennenlernen und ein standardisiertes Training durchf√ľhren. Wenn Sie m√∂gen, erstellen Sie sich Ihre eigene, individuelle Prozedur mit Ihren Lieblings-Feedbackvarianten.

√úbliche Anwendungen, Beispiel Stress-Test

  1. Unter Umst√§nden ist es sinnvoll noch gezielter mit Stressreizen zu arbeiten, um die Stressbew√§ltigung zu trainieren. Das EMG-Biofeedback eignet sich gut f√ľr den Einsatz gezielter Provokationsmethoden, da es zeitnah und sensibel eine Reaktion auf einen Reiz zeigt, und h√§ufig diese Reaktion auch proportional zur St√§rke und Bedeutsamkeit des Reizes ist.
  2. Starten Sie die Messung und beobachten Sie eine Weile Ihre Messwerte. Versuchen Sie sich dann zu entspannen. Das Training beginnt mit einer Ruhephase von einigen Minuten.
  3. Jetzt soll gezielt ein Stressor (Stressreiz) eingesetzt werden. Beispiele sind: negative Gedanken, Betrachten von emotional besetzten Bildern oder Gegenst√§nden sowie unangenehme Ger√§usche. Auch Aufgaben wie Kopfrechnen, die Simulation einer Pr√ľfung oder unangenehmen Situation √ľber eine gewisse Zeit sind gute Stressoren. Jeder Mensch kennt in der Regel Dinge, die ihn in Anspannung und Aufregung versetzen. Wenn Sie zum Beispiel ungern vor gro√üen Menschenmengen sprechen, versuchen Sie spontan eine Rede zu halten oder sich diese Situation vorzustellen. Wenn ein solcher Stressor auf Sie einwirkt, beobachten Sie die Messwerte, und Sie werden vermutlich einen Anstieg der Muskelspannung sehen und ein Verharren auf einem h√∂heren Level. Versuchen Sie dann, die Kurve wieder zu abfallen zu lassen, die Muskeln gezielt zu lockern und ein niedriges Ausgangsniveau zur√ľckzuerlangen.
  4. Innerhalb einer Trainingssitzung k√∂nnen Sie die Phasen von Entspannung und Stressoren abwechseln, etwa drei- bis viermal. Beenden Sie eine Sitzung immer mit einer Ruhephase und √ľberfordern Sie sich nicht. F√ľhren Sie mehrere Trainingssitzungen durch, √ľber einen l√§ngeren Zeitraum verteilt, bis Sie den Eindruck haben, weniger heftig auf Stressoren zu reagieren oder sich schneller zu erholen.
Fragen

Stellen Sie eine Frage

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Captcha Plus loading...